Pflichtteilsrecht

Pflichtteil geltend machen

Das Pflichtteilsrecht ist seit Inkrafttretens des Bürgerlichen Gesetzbuchs fest im deutschen Gesetz verankert. Es soll letztlich wenigstens einen Teil des Vermögens bei den Familienangehörigen halten. Es verhindert, dass der Erblasser seine nächsten Verwandten vollständig enterben kann.

  1. Wann bin ich pflichtteilsberechtigt?
  2. Wie hoch ist der Pflichtteil und wie berechnet man ihn?
  3. Wie setze ich mein Pflichtteilsrecht durch?
  4. Was muss ich als Pflichtteilsberechtigter beachten?

Wann bin ich pflichtteilsberechtigt?

Pflichtteilsberechtigt sind grundsätzlich nur die Abkömmlinge und der Ehegatte des Erblassers. Solange der Erblasser keine Kinder hatte, können nach dem Gesetz auch die Eltern einen Anspruch auf Pflichtteil haben. Die Pflichtteilsberechtigung entsteht frühestens mit dem Ableben des Erblassers. Sie hat gleichzeitig zur Voraussetzung, dass man in der Position eines gesetzlichen Erben enterbt wurde.
Eine Enterbung muss durch den Erblasser per Testament verfügt worden sein.
Der häufigste Fall ist der, dass Ehegatten untereinander im Rahmen eines „Berliner Testaments“  ihre gemeinsamen Kinder für den Fall enterben, dass nur einer von ihnen verstirbt.
Selbst, wenn die Kinder dann nach dem Letztversterbenden als Erben eingesetzt sind, so sind sie doch zunächst enterbt und dementsprechend pflichtteilsberechtigt.

Wie hoch ist mein Pflichtteil und wie berechnet man ihn?

Die Pflichtteilsquote entspricht der Hälfte des gesetzlichen Erbteils. Dem Pflichtteilsberechtigten steht also die Hälfte von dem zu, was er als Erbe bekommen hätte. Für einen ersten Überblick eignen sich Pflichtteilsrechner. Allerdings sind die Fragen und Antworten teilweise irreführend, sodass wir Ihnen nur raten können, sich beraten zu lassen.

Wie setze ich mein Pflichtteilsrecht durch?

Der Anspruch auf Pflichtteil ist ein Anspruch gegen den Erben auf Zahlung. Diesen Anspruch müssen Sie durchsetzen.
Häufig weiß man als Pflichtteilsberechtigter gar nicht, wie der Nachlass eigentlich zusammengesetzt ist. Dann ist man nicht ohne Weiteres in der Lage, die Höhe seines Anspruchs zu beziffern. Der Gesetzgeber hat für diesen Fall Vorkehrungen getroffen und den Pflichtteilsberechtigten mit umfassenden Auskunftsansprüchen ausgestattet.

Dementsprechend gilt es zunächst, den Erben zur Auskunft und zur Erstellung eines Nachlassverzeichnisses aufzufordern.
Werte von einzelnen Nachlassgegenständen können durch Sachverständige zu ermitteln sein (Wertermittlungsanspruch).
Schlussendlich kann dann nach Bezifferung Ihres Anspruchs die konkrete Zahlung verlangt werden.

Es gibt viele Mandate, die ohne eine gerichtliche Verfolgung der Ansprüche auskommen. Sollte es dennoch notwendig werden, Ihren Anspruch gerichtlich geltend zu machen, haben Sie jedenfalls eine starke Position.

Was muss ich als Pflichtteilsberechtigter beachten?

In erster Linie gilt es, Ihren Anspruch nicht verjähren zu lassen. Sobald Sie wissen oder jedenfalls wissen könnten, dass Sie pflichtteilsberechtigt sind, haben Sie drei Jahre Zeit, Ihren Anspruch durchzusetzen.
Es ist aber generell sinnvoll, nicht zu lange mit der Aufforderung, ein Nachlassverzeichnis zu erstellen, zu warten. Schließlich wird die Nachlassermittlung immer schwieriger, je länger der Tod des Erblassers zurück liegt.

Haben Sie Fragen in Bezug auf das Pflichtteilsrecht? Sprechen Sie uns an per E-Mail: erbrecht@borgelt.de oder telefonisch unter: +49.211.5858990.

Charlotte Kobusch
Rechtsanwältin für Erbrecht