Errichtung eines Testaments

Eine Emnid Umfrage hat ergeben, dass 71 % der Deutschen kein Testament verfasst haben.
Das heißt, dass nur in 29 % der Erbfälle in Deutschland ein Testament vorliegt. Davon aber wiederum sind laut einer Studie der Postbank 47 % ungültig. Die Testamentserrichtung ist also offensichtlich ein eher schwieriges Thema.

  1. Wann ist eine Testamentserrichtung sinnvoll?
  2. Was kann denn in so einem Testament alles drin stehen?
  3. Jemanden zum Erben einsetzen- was hat das zu bedeuten?
  4. Was ist denn dann unter einem Vermächtnis zu verstehen?
  5. Welche Form muss ein Testament haben?
  6. Wo bewahre ich mein Testament am besten auf?

Wann ist eine Testamentserrichtung sinnvoll?

Es ist natürlich so, dass die Erbfolge jedenfalls gesetzlich geregelt ist. Das heißt grundsätzlich braucht man sich um nichts zu kümmern.
Es ist aber dann wichtig, seinen letzten Willen zu Papier zu bringen, wenn man einen anderen Wunsch hat, als die gesetzliche Erbfolge ergeben würde.
Dazu muss man natürlich wissen, was die gesetzliche Erbfolge in dem konkret-individuellen eigenen Fall regeln würde. Unter diesem Link haben wir deshalb für Sie einige Beispiele zusammengestellt.
Jeder, der also herausgefunden hat, dass die gesetzliche Erbfolge nicht in seinem Interesse ist, muss ein Testament machen.

Was kann denn in so einem Testament alles drin stehen?

Der Testator kann grundsätzlich alles in sein Testament aufnehmen, was ihm wichtig ist.
Allerdings ist hier deutlich darauf hinzuweisen, dass der Inhalt eines Testaments klar verständlich und vor allem nachvollziehbar und umsetzbar sein sollte.
Ist das Verfügte zweideutig, oder kann man sich über das Gemeinte streiten, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass über das eigentlich Gewollte vor Gericht gestritten wird. Schlussendlich wird eine zweideutige oder unklare Formulierung dazu führen, dass zumindest ein größeres Streitpotential geschaffen wird.
Daher sollte man es lieber gleich richtig machen. Ansonsten entscheidet nachher das Gericht im Wege der Auslegung. Ob da letztlich das raus kommt, was der Testator eigentlich verfügen wollte, bleibt natürlich fraglich.
Hier soll darauf hingewiesen sein, dass es manchmal viel sinnvollere Regelungsmöglichkeiten gibt, als die, auf die man von allein kommt. Es ist daher durchaus in Erwägung zu ziehen, sich von einem Profi beraten zu lassen. Dieser kann dann ganz konkret auf die jeweilige Situation einen Regelungsvorschlag machen.

Jemanden zum Erben einsetzen- was hat das zu bedeuten?

Der Mensch hat eine Fülle von Rechten und Pflichten in sich vereint. Nach dem Tod, gehen genau diese Rechte und Pflichten auf den gewillkürten (Testament) oder den gesetzlichen Erben über (sogenannten Gesamtrechtsnachfolge).
Das heißt also, dass dem Erben zugedacht ist, dass er sämtliche Rechte und Pflichten des Erblassers übernimmt.
In einem Testament muss man jemanden zu seinem Erben bestimmen. Ist keine klare Regelung hinsichtlich der Erbeinsetzung getroffen, muss wieder das Nachlassgericht entscheiden, was vom Testator gemeint war.
Dabei kann der Erblasser die Rechte des Erben durchaus beschränken- dies kann beispielsweise durch die Einsetzung eines Testamentsvollstreckers oder aber durch die Anordnung bestimmter Bedingungen geschehen.
Der Gesamtrechtsnachfolger kann zum Alleinerben oder, wenn mehrere erben sollen, zum Miterben eingesetzt werden. Mehrere Erben sind immer automatisch eine Erbengemeinschaft. Die Folgen der Erbengemeinschaft haben wir hier für Sie zusammengefasst.

Was ist denn dann unter einem Vermächtnis zu verstehen?

Mit dem Begriff des Vermächtnisses wird in Deutschland häufig wild jongliert. Es ist eine weitere Möglichkeit, jemanden mit seinem letzten Willen zu bedenken.
Tatsächlich kann der Erblasser jemanden zum Vermächtnisnehmer bestimmen. Das bedeutet, dass derjenige eben nicht Erbe wird und nicht in sämtliche Rechte und Pflichten des Erblassers eintritt, sondern demjenigen lediglich ein konkreter Nachlassgegenstand wie beispielsweise ein bestimmtes Schmuckstück oder eine bestimmte Summe zugewendet wird.
Der Vermächtnisnehmer erhält mit dem Erbfall also einen Anspruch auf das Vermächtnis gegen den Erben. Dieser ist sodann aufgrund des Testamentes verpflichtet, dem Vermächtnisnehmer den Gegenstand auszukehren. Der Vermächtnisnehmer wird hingegen nicht Teil einer etwaigen Erbengemeinschaft.

Welche Form muss ein Testament haben?

Den geringsten Formerfordernissen unterliegt das privatschriftliche Testament.
Es hat zur Voraussetzung, dass der Testator seinen letzten Willen handschriftlich verfasst. Natürlich muss er dazu geschäftsfähig sein.
Das Testament muss weiterhin zwingend das Datum und die eigenhändige Unterschrift des Verfassers enthalten. Sollte die letztwillige Verfügung aus mehreren Seiten bestehen, ist dringen zu empfehlen, dass die Seiten durchnummeriert und jeweils jedenfalls mit einem Kürzel versehen werden. Am besten ist es aber, die Seiten zu tackern und dann gemeinsam in einem verschlossenen Umschlag aufzubewahren.

Wo bewahre ich mein Testament am besten auf?

Das Testament kann zu Hause aufbewahrt werden. Dort am besten so, dass es gefunden wird, sollte der Erbfall eingetroffen sein.
Derjenige, dem es nach dem Tod des Testators in die Hände fällt, ist gesetzlich verpflichtet, das Testament zum Amtsgericht Nachlassgericht zu bringen.
Es besteht aber auch die Möglichkeit, das Testament beim Amtsgericht Nachlassgericht an seinem Wohnort zu hinterlegen.
Die Kosten der Hinterlegung liegen pauschal bei 75,-€. Das Nachlassgericht wird dann nach dem Tod des Erblassers durch das Standesamt benachrichtigt und eröffnet sodann die letztwillige Verfügung.

Haben Sie Fragen zur Errichtung eines Testaments oder dazu, ob Ihr Testament so rechtlich sinnvoll ist? Sprechen Sie uns an per E-Mail: erbrecht@borgelt.de oder telefonisch unter: +49.211.5858990.

Charlotte Kobusch
Rechtsanwältin für Erbrecht