Erbschein/EU-Nachlasszeugnis

1. Erbschein

Der Erbschein ist eine öffentliche Urkunde. Er stellt für den Rechtsverkehr fest, wer Erbe ist und welchen Beschränkungen der Erbe unterliegt. Der Erbschein ist bei dem jeweils zuständigen Nachlassgericht zu beantragen. Dieses ist das Amtsgericht, in dessen Bezirk der Erblasser seinen letzten Wohnsitz oder Aufenthalt hatte.

Der Antrag ist an keine besondere Frist gebunden. Er kann dementsprechend jederzeit schriftlich oder zu Protokoll der Geschäftsstelle gestellt werden. Einen Erbschein können der Erbe, Rechtsnachfolger des Erben, ein Testamentsvollstrecker, Nachlassverwalter oder Gläubiger des Erblassers beziehungsweise der Erben beantragen.

Dabei haben testamentarische Erben andere Angaben zu machen als gesetzliche Erben. Ein Antragsteller hat den Todeszeitpunkt und das eigene Erbrecht aufgrund öffentlicher Urkunden nachzuweisen. Diese sind die Sterbeurkunde und beispielsweise Abstammungsurkunde. Seine Angaben hat der Antragsteller eidesstattlich zu versichern. Bei mehreren Erben kann jeder einzelne Erbe den Erlass eines gemeinschaftlichen Erbscheins beantragen. Dabei sind von ihm alle Erben und ihre jeweiligen Anteile zu bezeichnen. Vermächtnisnehmer und Pflichtteilsberechtigte benötigen keinen Erbschein.

Die Beantragung eines Erbscheins ist nur in Ausnahmefällen notwendig. Etwa dann, wenn Immobilien im Nachlass sind und kein notarielles Testament vorhanden ist. Die Beantragung eines Erbscheins ist mit Kosten verbunden. Diese hängen ihrer Höhe nach von dem Wert des Nachlasses ab.

2. EU-Nachlasszeugnis

Seit 2015 gilt in allen EU-Mitgliedstaaten (ausgenommen Großbritannien, Irland und Dänemark) die Europäische Erbrechtsverordnung. Sie regelt die gerichtliche Zuständigkeit im Rahmen von Erbfällen mit internationalen Bezügen und bestimmt, welche Rechtsordnung auf den jeweiligen Einzelfall anzuwenden ist. Dabei knüpft sie regelmäßig an den letzten Ort der gewöhnlichen Niederlassung des Erblassers an.

So kann beispielsweise das Erbe eines deutschen Staatsbürgers, der sich im Ausland zur Ruhe gesetzt hatte, nach dem Recht eines anderen EU-Staates abzuwickeln sein. In solchen Fällen kann an Stelle eines Erbscheins ein EU-Nachlasszeugnis beantragt werden. Zuständig zur Erteilung eines EU-Nachlasszeugnisses ist das Gericht, auf dessen Hoheitsgebiet der Erblasser seinen letzten gewöhnlichen Aufenthalt hatte. Abweichungen gibt es dann, wenn der Erblasser eine Rechtswahl getroffen hatte.

Auch die im Rahmen eines Verfahrens zur Ausstellung eines EU-NAchlasszeugnisses entstehenden Kosten hängen der Höhe nach von dem Wert des Nachlasses ab.

Im Rahmen seiner Tätigkeitsschwerpunkte im Bereich des internationalen Wirtschafts- und Erbrechts betreut Rechtsanwalt Peter E. Windorfer, B.A. Erbfälle auf nationaler Ebene und mit internationalen Bezügen. Haben Sie Fragen? Sprechen Sie uns an!

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Peter Windorfer

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Rechtsanwalt