Berliner Testament-schnell erklärt

Das Berliner Testament- ein geflügeltes Wort

Nicht nur diejenigen, die sich schon mal mit der Erbfolge befasst haben, haben diese Bezeichnung schon mal gehört oder gelesen.
Die Erfahrung zeigt aber, dass es meist beim Lesen dieser Überschrift bleibt. Dieser Artikel soll den Begriff schnell und einfach erklären:

  1. Wer kann ein Berliner Testament verfassen?
  2. Was regelt ein Berliner Testament?
  3. Wellche Form muss dabei beachtet werden?
  4. Risiken des Berliner Testaments
  5. Berliner Testament und Patchwork-Familien
  6. Berliner Testament im Falle der Scheidung

Wer kann ein Berliner Testament verfassen?

Ein Berliner Testament ist ein gegenseitiges Testament. Nach dem Gesetz können ein solches nur Ehegatten oder Lebenspartner (nach dem LPartG) wirksam erstellen. Man nennt es deshalb auch Ehegattentestament.

Was regelt ein Berliner Testament?

Das Berliner Testament regelt die gegenseitige Erbeinsetzung der Partner und die gemeinsame Wahl des Schlusserben.

Im Klartext bedeutet das folgendes:

Für den Fall, dass ein Ehegatte verstirbt, soll der jeweils andere Alleinerbe werden. Das ist deshalb was Besonderes, da das Gesetz sonst in fast allen Konstellationen weitere Erben neben dem Ehegatten vorsieht (bspw. Kinder/ Eltern/ Geschwister).
Nachdem auch der überlebende Ehegatte und vorherige Alleinerbe verstorben ist, erbt der Schlusserbe. Dies sind im Rahmen eines Ehegattentestaments die gemeinsamen Kinder des Ehepaars.

Diese letztwillige Verfügung entwickelt dabei eine besondere Bindungswirkung der beiden Erblasser zueinander. Ist nämlich ein Ehegatte verstorben, kann der andere Ehegatte von der ursprünglich gemeinsam getroffenen Entscheidung, die gemeinsamen Kinder einzusetzen, nicht einfach wieder abrücken.

Die Bindungswirkung als solche ist nicht ohne Weiteres zu umgehen. Allerdings kann das Testament bestimmte Ausnahmeregelungen enthalten.

Welche Form muss dabei beachtet werden?

Ein Testament müssen Sie mindestens handschriftlich verfassen. Für ein Berliner Testament gilt dabei die Besonderheit, dass es die Ehegatten gemeinschaftlich errichten. Ausnahmsweise muss daher nur einer der Ehegatten den Testamentsinhalt handschriftlich festhalten, während aber zwingend beide Ehegatten mit Datumsangabe unterschreiben müssen.

Risiken des Berliner Testaments

Beim sogenannten ersten Erbfall (ein Ehegatte verstirbt, der andere Ehegatte wird Alleinerbe), hat die Regelung im Ehegattentestament die Enterbung etwaiger gesetzlicher Erben (meist der gemeinsamen Kinder) zur Folge.
Diese können sodann nach dem deutschen Gesetz ihren Pflichtteil von dem überlebenden Ehegatten verlangen.
Das kann zu einer erheblichen Beeinträchtigung des Nachlasses führen.

Sollten Sie die Befürchtung haben, dass einer Ihrer gesetzlichen Erben seinen Pflichtteil verlangen könnte, gilt es hier also besondere Schutzmaßnahmen zu treffen.

Berliner Testament und Patchwork-Familien

Insbesondere bei Patchwork-Familien sollte man sich vor der Errichtung eines Testaments bewusst machen, wer nach wem wie erben soll.
Hier ist es insbesondere so, dass die jeweils nicht leiblichen Kinder auch keinen Anspruch haben, zu erben. Will man aber, dass die nicht-leiblichen Kinder genauso erben, wie die Leiblichen, sind auch hier besondere Regelungen zu treffen. Ein Ehegattentestament reicht dann in solchen Konstellationen nicht mehr ohne Weiteres aus.

Berliner Testament im Falle der Scheidung

Lassen sich Ehegatten, die ihren letzten Willen im Rahmen eines Berliner Testaments verfügt haben, scheiden, so folgt daraus die Unwirksamkeit des Berliner Testaments (§ 2077 BGB).
Es reicht dabei aus, dass im Zeitpunkt des Todes eines Ehegatten die Voraussetzungen für eine Scheidung vorgelegen haben und der verstorbene Ehegatte die Scheidung beantragt oder dieser zugestimmt hatte.
Es ist wichtig, sich diese Folge einer Scheidung für das Ehegattentestament vor Augen zu halten, da es dann Zeit wird, eine neue letztwillige Verfügung für sich zu errichten.

Möchten Sie sich bei der Errichtung eines Berliner Testaments beraten lassen? Sprechen Sie uns an per E-Mail: erbrecht@borgelt.de oder telefonisch unter: +49.211.5858990.

Charlotte Kobusch
Rechtsanwältin für Erbrecht